Nullnummer
Vor reichlich einer Woche hab ich mich noch über den “Sächsischen Aktionsplan Klima und Energie” gefreut. Sicher gab es noch Verbesserungsmöglichkeiten, aber besonders die Vorbildwirkung der säschsischen Verwaltung bei der Beschaffung von Dienstwagen stach positiv heraus. Doch damit ist es anscheinend schon wieder vorbei.
Wie die SZ heute schreibt, sollen die Richtlinien zum CO2-Ausstoß bei der Dienstwagenbeschaffung doch wieder gelockert werden. Ursprünglich sah der Plan eine feste Obergrenze von 140g CO2/km für Neuwagen vor (ab 2012 sogar 120g CO2/km). An deren Stelle soll nun ein “guter Durchschnittswert” für die gesamte Wagenflotte treten. Begründet wird das damit, dass sonst z.B. Wasserwerfer unter die neue Regelung fallen würden. Schon klar…
Welcher Politiker fährt bitte mit einem Wasserwerfer durch die Gegend? Da haben einige Politiker offensichtlich erstmals den Plan gelesen, an dem sie selbst mitgewirkt haben. Dabei muss ihnen aufgefallen sein, dass sie diesmal ausnahmsweise selbst von den von ihnen aufgestellten Regeln betroffen sind (und nicht nur die Bürger). Nun bemühen sich um Schadensbegrenzung. Natürlich kann man es auch nicht ernsthaft von einem Politiker erwarten, dass er in einem umweltschonenden Dienstwagen fährt. Schließlich hat ma ja so seine Repräsentationspflichten und als Vorreiter in Sachen Umwelttechnik will sich Sachsen anscheinend nicht profillieren.
Was vom Aktionsplan übrig bleibt, sind eine Menge schöner Worte, Empfehlungen und schwammige Ziele, nur keine verbindlichen Regeln für irgendwas. Klimaschutz ist offensichtlich doch noch nicht in den Politikerköpfen angekommen, zumindest nicht, wenn er sie selbst tangiert.
Über die zunehmende Politikverdrossenheit der Bürger brauch sich bei solchen Geschichten auch niemand mehr wundern.
Heißer Juni
Nach den Daten des National Climatic Data Center war der Juni weltweit mal wieder einer der wärmsten überhaupt. Für die weltweite Landtemperatur ergab sich Platz 4, für die der Ozeane Platz 10, macht zusammen genommen den 8. wärmsten Juni seit Beginn der Datenaufzeichung.
Hier mal zwei Grafiken zur Veranschaulichung:
Ausbau der ökologischen Landwirtschaftsfläche
Verschiedene Umweltverbände fordern heute die Bundesregierung auf, den Anteil ökologisch bewirtschafteter Landwirtschaftsfläche in Deutschland bis 2015 auf 20% zu erhöhen. An sich ein begrüßenswerter Vorstoß. Allerdings gibt es das 20% Ziel schon seit langem in verschärfter Form.
Die nationale Nachhaltigkeitsstrategie der beinhaltet 21 Indikatoren, die Ziele für die mittel- und langfristige nachhaltige Entwicklung in Deutschland vorgeben. Einer dieser Indikatoren ist die Entwicklung der Anbaufläche des ökologischen Landbaus. Ziel ist diese bis zum Jahr 2010 auf 20% zu erhöhen. Das heißt, dass die Bundesregierung sich bereits ehrgeizigere Ziele vorgegeben hat, als die Verbände heute fordern.
Der Grund für die Forderung dürfte der Anfang Mai veröffentlichte Entwurf zum Fortschrittsbericht 2008 zur nationalen Nachhaltigkeitsstrategie sein. Darin wird zwar auch das Ziel von 20% genannt, allerdings ohne konkrete Zeitvorgabe. Betrachtet man nun die Entwicklung der letzten Jahre zeit sich deutlich, dass 20% im Jahr 2010 nicht mehr realistisch sind. Selbst das Jahr 2015 erscheint als ambitionierte, wenn auch erfüllbare Forderung.

Bleibt zu hoffen, dass die Politik sich endlich ernsthaft mit dem Thema beschäftigt und nicht nur zusieht, wie sie mit den Agrarsubventionen am besten konventionelle Landwirtschaft fördert.
Sächsischer Aktionsplan Klima und Energie
Gestern wurde der “Aktionsplan Klima und Energie” des Freistaates Sachsen vorgestellt. Dabei handelt es sich um einen Maßnahmen- und Empfehlungskatalog, mit dem Sachsen kurz- und mittelfristig Klimaschutzmaßnahmen umsetzen will.
Positiv fällt auf, dass der Aktionsplan neben vielen eher unscharf formulierten Zielen auch konkrete Vorgaben enthält. So zum Beispiel für die staatliche Dienstwagenflotte. Neue Dienstwagen dürfen ab 2009 nur noch 140g CO2/km ausstoßen (ab 2012 120g CO2/km). Das wird man bei VW sicherlich nicht gern hören, da sich damit ein wichtiger Abnehmer für den eh schon verkaufsschwachen Phaeton verabschiedet. Aber auch die meisten größeren Modelle der anderen deutschen Autobauer fallen der Grenze zum Opfer. Vielleicht schafft das ja endlich mal einen Anreiz, schadstoffärmere Autos zu entwickeln.
Darüber hinaus sollen ab 2009 die Emissionen dienstlicher Flugreisen durch Klimaschutzprojekte in Sachsen kompensiert werden. Hier bleibt zu hoffen, dass trotzdem versucht wird, die Anzahl der Flugreisen zu minimieren. PKW-Reisen werden zwar als zweiter Schritt genannt, allerdings ohne einen konkreten Termin. Warum nicht? Hat man Angst, die Kosten könnten zu groß werden?
Ein weiteres Problem betrifft die Energiewirtschaft in Sachsen. Schon in der Einleitung des Aktionsplanes heißt es dazu:
“Die sächsische Energiewirtschaft ist geprägt durch die Stromerzeugung in hochmodernen Braunkohle-Kraftwerken. Die Nutzung des heimischen Energieträgers Braunkohle ist langfristig kalkulierbar, sichert eine hohe Wertschöpfung und Beschäftigung im Land, mindert die Importabhängigkeit unserer Energieversorgung und trägt maßgeblich zur Versorgungssicherheit in ganz Deutschland bei. Damit ist die Braunkohleverstromung auf längere Sicht unverzichtbar für eine sichere und wirtschaftliche Energieversorgung.”
Die Braunkohlelobby hat also mal wieder ganze Arbeit geleistet. Schon die “hochmodernen Braunkohle-Kraftwerke” sind typisches PR-Deutsch. Kraftwerke mit einem Wirkunsgrad von 38% sind nicht hochmodern, sondern ein Relikt der energietechnologischen Steinzeit. Anstatt ein klares Bekenntnis zu erneuerbaren Energien und gegen Braunkohle abzugeben sollen Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten zur Effizienzsteigerung und Entwicklung von CCS-Technologien gefördert werden. Hier besteht dringender Nachbesserungsbedarf!
Öko-Lemminge
Gnadenfrist
Dresden behält den Welterbetitel - vorerst. Die Aussagen der Unesco sind klar. Wenn die Waldschlösschenbrücke weiter gebaut wird, ist der Titel nächstes Jahr automatisch weg. Also ihr Helden in Stadt, Land (und Fluss)…ihr habt hier eure letzte Chance bekommen, den angerichteten Blödsinn doch noch irgendwie auszubügeln. Setzt euch gefälligst zusammen und findet endlich einen Kompromiss, mit dem alle leben können.
(Dieser Beitrag ist geprägt von der naiven Hoffnung, dass gewisse liberale und konservative Kreise doch irgendwann anfangen Politik für Dresden zu machen und wird sich wahrscheinlich innerhalb weniger Stunden aufgrund der Aussagen diverser Bürgervertreter Lokalpolitiker selbst zerstören.)
Keine Zeit
…zum Bloggen. Wetter ist einfach zu schön!
Aber beim Handelsblatt gibts dafür schöne Sachen ;)
Stinker-Steuer
Bei SpOn lese ich gerade, dass die große Koalition nächste Woche eine Neuregelung der Kfz-Steuer beraten will. Geplant sind Aufschläge für alte Autos bzw. solche mit hohem CO2-Ausstoß.
Der Gedanke ist dabei gar nicht mal so verkehrt. Ein solches System stetzt Anreize für Autofahrer, den CO2-Ausstoß beim Neukauf eines Wagens stärker zu berücksichtigen. So werden die Autohersteller indirekt gezwungen, sich ebenfalls mit dem Thema auseinanderzusetzen, was ja besonders die deutschen Autobauer gern vermeiden und lieber schönreden.
Das Problem liegt mal wieder in der Höhe der Beträge. 1,25 Euro pro 100 Kubikzentimeter Hubraum werden für ältere Fahrzeuge fällig. Für Neuzulassungen ab 2009 gilt ein Staffelsystem von 1,80 bis zu 2,60 Euro pro Kubikzentimeter, je nach CO2-Ausstoß. SpOn kommt so auf durchschnittliche Mehrkosten von 21 Euro pro Jahr für Benziner und 26 Euro für Diesel. Für eine 5l-Maschine eines großen SUV summiert sich das auf 130 Euro pro Jahr. Diese dürfte jemand, der knapp 80.000 Euro für sein Auto ausgibt allerdings eher aus der Portokasse bezahlen. Gemessen an den wirklichen externen Kosten, die durch den PKW-Verkehr entstehen, sind diese Aufschläge nur der Tropfen auf den heißen Stein. Diese liegen nämlich bei 2,9 Cent/km.
Wenn man also den Durchschnittsaufschlag auf die bisherige Kfz-Steuer mal einfach mit 30 Euro pro Jahr pro PKW ansetzt, werden damit gerade mal die tatsächlichen Kosten von rund 1.000 km Fahrstrecke gedeckt. Wahrscheinlich muss man das allerdings in Autodeutschland schon schon als Erfolg werten.
Verlinktes
Bei Stephan bin ich auf das neue Blog Discounterwatch aufmerksam geworden. Interessantes Projekt. Mal sehn was draus wird.
Der erste Beitrag verlinkt dann auch gleich auf einen Artikel in der ZEIT , über den mir ein Kollege heute auf Arbeit berichtet hat (nein, bei uns herrschen nicht im Geringsten solche Verhältnisse). Darin geht es um die Arbeitsbedingungen in einem Zulieferbetrieb für Lidl. Die mündliche Schilderung ist nichts gegen das, was im Artikel steht. Ich hatte zwar mit vielem gerechnet, aber ich bin einfach mal entsetzt!
You should rather be biking, too
Das dürfte dieses schicke Video am besten zusammenfassen.
Passte grad so schön, weil ich vorhin die 1000km-Marke mit dem Stadtrad für dieses Jahr geknackt hab.
[via: Osocio]

