13. Februar reloaded

Nachdem nun einige Tage ins Land gegangen sind will ich auch noch kurz einige Dinge zum vergangen Samstag loswerden.

Zunächst möchte ich meine Medienkritik etwas abschwächen. Die ein oder andere Zeitung hat es unterdessen doch geschafft teils wirklich gute Artikel über die Ereignisse am 13. Februar zu veröffentlichen. Vielleicht muss man den Medien einfach nur etwas Zeit geben gewisse Sachen zu überschlafen.

Wirklich erschreckend finde ich allerdings manche (politischen) Reaktionen auf die Geschehnisse in der Neustadt. So wird Frau Orosz von allen Seiten für ihre Menschenkette gelobt, stimmt selbst gern mit ein und schafft es nicht, auch nur ein Wort des Dankes an die Leute zu richten, die sich bei Minusgraden stundenlang wortwörtlich den Arsch abgefroren haben, um die Demo der Nazis zu verhindern. Von einer Oberbürgermeisterin, die von sich behauptet die demokratischen Kräfte erstmals auf einen gemeinsamen Kurs gebracht zu haben, hätte ich ein wenig mehr Offenheit erwartet.

Wenn man sich allerdings die Statements von CDU und FDP durchliest, wird schnell klar, woher der Wind weht. Die CDU schlachtet den Tag und die Menschenkette so schamlos aus, dass man sich schon sehr anstrengen muss, um das noch mit den Ereignissen vom Samstag in Verbindung zu bringen.

Für die FDP hat sich Herr Lohmeyer in seinem Blog zu Wort gemeldet. Zwar gratuliert er auch brav den Initiatoren von “Dresden Nazifrei”, aber nur, um sie im Folgenden direkt wieder anzugreifen:

Aufgrund der Teilnehmerstruktur dieses Bündnisses verbietet es sich zwar auch in Zukunft für eher „bürgerlich-demokratisch“ denkende Menschen, sich aktiv daran zu beteiligen, aber das soll den Erfolg dieser Aktion nicht mindern. Vielleicht finden wir auch dort künftig einen gemeinsamen Nenner.

Wenn man die dem Beitrag folgende Diskussion liest, wird es nicht besser. Da muss dann schon mal die MLPD herhalten, damit man sich als feiner FDPler rausreden kann nicht am Albertplatz zu erscheinen. Interessant wäre in dem Zusammenhang die Frage, was wohl passieren würde, wenn die MLPD sich im nächsten Jahr ganz offiziell zur Menschenkette bekennt und sich an selbiger beteiligt. Rückt dann die FDP geschlossen in der Neustadt an? Oder trifft man sich lieber vor der Frauenkirche, während man die MLPD auf dem Altmarkt stehen lässt?

Dass die Dresdner Staatsanwaltschaft jetzt möglicherweise Verfahren gegen die Blockierer starten will passt auch sehr gut in den allgemeinen Kontext der Stadtpolitik. Nachdem man mit Repressionen im Vorfeld keinen Erfolg hatte, versucht man nun die nachträgliche Abschreckung.

Alle Beteiligten haben nun ein Jahr Zeit. Bleibt zu hoffen, dass sie es schaffen sich jenseits aller parteipolitischen Scharmützel an einen Tisch zu setzen und eine gemeinsame Linie gegen Nazis zu finden. Dabei kann es durchaus wieder eine Menschenkette und andere Gegendemonstrationen nebeneinander geben. Allerdings sollten beide die Existenzberechtigung des jeweils anderen akzeptieren und nicht versuchen die eigene Veranstaltung als die bessere zu verkaufen.

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