Beton statt Kultur

Mit der heutigen Aberkennung des Titels Weltkulturerbe für das Elbtal geht nicht nur ein trauriges Kapitel in der Dresdner Stadtgeschichte zu Ende. Vielmehr ist es eine Geschichte von Stumpfsinn, Ignoranz und Starrsinnigkeit seitens der Verantwortlichen. Und derer gibt es viele.

Als man vor nur fünf Jahren den Titel verliehen bekam, war die Freude zunächst erwartungsgemäß groß. Doch statt diesen aktiv zu nutzen und zu schützen, starten CDU, FDP und ADAC noch im selben Monat mit Unterschriftensammlungen für ein Bürgerbegehren, dass den Bau der Brücke erzwingen soll. Der so entstandene Streit teilt seitdem die Stadt und den Stadtrat. Namhafte Künstler, Stadtplaner, Bürgerinitiativen – sie alle wurden sprachen sich gegen die Brücke oder zumindest für Alternativen, wie einen Tunnel, aus, und sie wurden ignoriert. Sie alle waren zu Kompromissen bereit, im Gegensatz zur sächsischen Landesregierung und dem Regierungspräsidium. Sogar an Angela Merkel wurde der Streit herangetragen. Die erklärte die Sache (souffliert vom Kanzleramtsminister und großen Brückenbauer Thomas de Maizière) zur lokalen Angelegenheit – schließlich ging es ja hier nur um Dresden und eine Brücke, nicht etwa um ihren eigenen Wahlkreis. Die Unesco warnte bereits 2006 vor einem möglichen Verlust des Welterbetitels und setzte Dresden auf die Rote Liste mit der klaren Ansage, dass der Bau der Brücke zur Aberkennung des Titels führen würde.

Gegen all die vielen Widerstände, trotz anhängiger Gerichtsverfahren wurde der Brückenbau auf Betreiben des CDU-geführten Regierungspräsidiums schließlich doch begonnen, um vollendete Tatsachen zu schaffen. Getreu dem Motto, wenn die Brücke einmal steht, wird schon keiner von uns den Abriss verlangen.

Nun hat die Unesco also ihre Drohung wahr gemacht und das Dresdner Elbtal von ihre Liste der Weltkulturerbestätten gestrichen. Ich finde die Entscheidung richtig und notwendig, weil lange angekündigt. Alles andere hätte einen Gesichtsverlust für die Unesco bedeutet. Den hat nun die Stadt Dresden erlitten, insbesondere ihr Führungspersonal, dass sich schnell noch als Welterberetter aufspielen wollte.

Ist das der Untergang für die Stadt Dresden? Sicher nicht. Es werden auch jetzt noch Touristen kommen und sich an den Schönheiten der Stadt erfreuen. Vielleicht werden sie sogar die Waldschlösschenbrücke besichtigen, als ein Monument der Borniertheit von Politikern. Peinlich ist es aber allemal. Peinlich für Dresden und auch peinlich für Deutschland, dass sich jetzt als rühmen darf, das erste Land weltweit zu sein, dem ein Weltkulturertitel wieder aberkannt wurde. Das Land der Dichter und Denker wird eben doch mehr und mehr ein Land von Technokraten.

Ich für meinen Teil schaue aus dem Fenster vor meinem Schreibtisch nun nicht mehr auf ein Weltkulturerbe und finde das schade. Wohl aber schaue ich auf ein wunderschönes Gebiet Natur inmitten einer Großstadt, das in dieser Form einmalig ist, und hoffe, dass der Bau der Brücke und die Aberkennung des Titels langfristig nicht den Weg für weitere Baumaßnahmen ebnen, die dieses Kleinod noch mehr beschädigen.

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  • 2 Kommentare

    1. Stefan
      Erstellt am 25. Juni 2009 um 23:03 | Permanent-Link

      Ich glaube bessere Wort kann man zur Lage im Moment kaum finden. Ich sehe das genauso.

      Gerade noch den Zastrow (FDP) auf dem mdr gesehen. Seine Äußerung sinngemäß:
      Dresden nimmt keinen Schaden von der Aberkennung des Titels – im Gegenteil, Dresden wird profitieren von den Leuten, die sich die Brücke ansehen wollen, um zu sehen was die UNESCO daran so anstößig fand.

    2. Erstellt am 25. Juni 2009 um 23:20 | Permanent-Link

      Leider hast Du Recht.

    Ein Trackback

    1. [...] Martin: Beton statt Kultur, auch doppelt [...]

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