Der 13. Februar, die Medien und ich

Leider musste ich am 13. Februar mal wieder arbeiten. Auch wenn ich ich mich gern an den verschiedenen Aktionen gegen den Naziaufmarsch beteiligt hätte, blieb mir so nur die Rolle des medialen Zuschauers im Internet.

Die Ereignisse dieses Tages habe ich also im Wesentlichen per Twitter verfolgt. Hin und wieder versuchte ich auch mein Glück über die Onlineangebote der "klassischen" Medien, also Zeitungen (Sächsische, DNN, Spiegel, Zeit, …) und Nachrichtensender (ntv, N24). Hier zeigten sich für mich sehr eindrücklich die Möglichkeiten von "neuen" Kommunikationskanälen wie Twitter ebenso wie die Grenzen der etablierten Medien Grenzen.

Ich war in der Vergangenheit kein großer Fan von Twitter. Den Hype um den Zwitscherdienst kann ich bis heute nicht wirklich nachvollziehen und sehe auch heute noch keinen Grund mitzutwittern. Mag sein, dass einige Leute Twitter benötigen, um mit ihrem "sozialen" Umfeld zu kommunizieren. Für mich ist Twitter einfach ein Dienst, der das Grundrauschen im Internet noch einmal deutlich erhöht und sonst nix.

Eine echte Stärke hat Twitter jedoch dann, wenn es darum geht, Ereignisse in Echtzeit abzubilden. So kann man recht einfach per Handy twittern und das hat heute fast Jeder in der Tasche. Erstmals Beachtung fand diese Fähigkeit von Twitter, als die Notlandung eines Flugzeugs auf dem Hudson River in New York zunächst per Twitter gepostet und weiterverbreitet wurde – weit früher als die Reaktionen der Nachrichtenagenturen und Medien.

Solche zufälligen Ereignisse auf Twitter aufzustöbern dürfte viel mit Zufall zu tun haben. Will man sich aber über konkrete Ereignisse informieren, hilft die Suchfunktion von Twitter ungemein. Hier kann man entweder nach Begriffen suchen, die das Ereignis betreffen oder direkt nach Hashtags. Im Unterschied zu einer normalen Websuche werden die Ergebnisse laufend aktualisiert. So kann man einer Entwicklung von Ereignissen folgen.

Konkret habe ich am 13. Februar einfach nach "Dresden" gesucht. Die so gefundenen Tweets enthielten hauptsächlich die Hashtags #Dresden und #13februar. Also habe ich beide in die Suche aufgenommen und fertig war der livestream. Im 10-Sekunden-Takt flatterten neue Meldungen über die Ereignisse in der Neustadt ein. Anscheinend nutzten vor allem die Gegendemonstranten verstärkt Twitter, um sich zu koordinieren. Erfreulich waren dabei die vielen Aufrufe friedlich zu bleiben. Aber auch die Rechten nutzten bisweilen die von mir gelesenen Kanäle, was die Berichte so umfassend wie möglich, wenn auch inhaltlich meist nicht wertvoller machte.

Natürlich muss man bei dieser Art ungefilterter live Nachrichten auch vorsichtig sein. Die Ausschussquote ist gerade bei solchen Ereignissen sehr hoch, da jeder alles zu jedem Zeitpunkt schreiben kann. Auch die Retweets von ungeprüften Meldungen muss man einfach im Kopf ausfiltern. Tut man dies erhält man aber ein sehr umfassendes Bild der Lage. Das ging am Samstag so weit, dass Freunde, mit denen ich im gelegentlichen Telefonkontakt stand, mich irgendwann anriefen, um sich von mir die neuesten Infos durchgeben zu lassen.

Während ich so also gut informiert das Treiben in der Neustadt mit verfolgen konnte, hatten die klassischen Medien dazu nichts beizutragen. Zunächst war das Ganze den meisten Medien maximal eine Randnotiz wert. Später am Nachmittag fanden sich dann die ersten redaktionellen Berichte. Diese waren dann aber inhaltlich teils so haarsträubend, dass sich das Mittagessen spontan wieder frische Luft verschaffen wollte. Der Grundtenor lautete dabei etwa so:

"Eine Menschenkette von 10.000 Menschen unter Führung der Dresdner Oberbürgermeisterin hat erfolgreich einen Naziaufmarsch in Dresden verhindert."

Ich möchte an dieser Stelle keine Diskussion über das Für und Wider der Menschenkette lostreten, aber aufgehalten haben den Naziaufmarsch die überwiegend friedlichen Blockierer in der Dresdner Neustadt und NICHT die Menschenkette! Diese stand auf der ANDEREN Seite der Elbe und hatte mit den Nazis keinerlei direkten Kontakt. [aufregmodus wieder aus]

Auf den einschlägigen Nachrichtenfernsehsendern war das Thema, wenn überhaupt, maximal eine Randnotiz wert. Wozu wir mit Rundfunkgebühren eine lokale Rundfunkanstalt wie den MDR bezahlen, wenn der statt einer Vor-Ort-Berichterstattung die übliche Rentnerbespaßung bringt, ist mir aber schleierhaft.

Einzig der freie Dresdner Radiosender coloRadio hat die Möglichkeiten neuer Technik auf tolle Art genutzt und zusätzlich zum Livestream aus verschiedenen Teilen der Stadt die wichtigsten Infos per Twitter verbreitet. Als der Streamingserver unter der Last der Anfragen zusammenzubrechen drohte, fand sich dann auch schnell Jemand über Twitter, der einen Ausweichserver zur Verfügung stellte. So einfach kann das sein.

Dieser 13. Februar hat mir eine Möglichkeit der Medienzukunft gezeigt. Aktuelle Ereignisse lese ich in Echtzeit, geschrieben von Beteiligten und Betroffenen auf Twitter, während ich von den klassischen Medien gut recherchierte Hintergrundberichte und eine ausgewogenen Berichterstattung verlange.

Twitter hat meiner Meinung nach den Test bestanden, die restlichen Medien überwiegend nicht.

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  • Ein Kommentar

    1. Hans Küchenmeister
      Erstellt am 15. Februar 2010 um 10:55 | Permanent-Link

      Auch Dresden-Fernsehen.de hatte wichtige Twitter-News an diesem Tag bereitgestellt. So war auch ich stets auf dem Laufenden per RSS-Feed.

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