Teilsperrung der Albertbrücke

Seit Dienstag ist es nun amtlich: die marode Albertbrücke muss ab Dezember teilweise gesperrt werden. Schon vor zwei Wochen waren die Ergebnisse der Routineüberprüfung bekannt geworden und hatten für teilweise leicht schadenfrohe Reaktionen gesorgt, wobei die zunehmende “Begrünung” der Brücke durchaus ihren Reiz hat.

Genau die drängen sich auch irgendwie auf, wenn man sich die nun offizielle Pressemitteilung der Stadt Dresden zu dem Thema durchliest. Da heißt es schon in der Einleitung:

Im Ergebnis der gesetzlich vorgeschriebenen Brückenhauptprüfung, die für die Albertbrücke im Juli 2009 stattfand, wurden gravierende Schäden festgestellt, die ein umgehendes Handeln erforderlich machen. Vor allem die Randbereiche der Brücke sind gefährdet. Das Gewölbe an sich ist stabil.

und weiter:

Folgende Schäden gefährden die Verkehrssicherheit:

  • Wegen ungenügender Verankerung der Geländer ist die Absturz- und Anprallsicherheit nicht mehr gewährleistet.
  • Im Gehbahnrandbereich wurden abgebrochene und aufgelöste Konsolen festgestellt.
  • Risse in Sandsteinen und Brüstungen bergen die Gefahr, dass diese in Teilen abzustürzen drohen.
  • Eingebrochene Entwässerungsleitungen im Schnittgerinne haben zu Verwerfungen und Absackungen am Fahrbahnrand bis zu 100 Millimeter Höhe geführt.

An der Stelle muss sich die Stadtverwaltung wirklich fragen lassen, wieso eine der wichtigsten innerstädtischen Brücken soweit verkommen ließ. Der marode Zustand der Albertbrücke ist nicht erst seit Juli erkennbar. Schon seit über einem Jahr sind die Fußwege durch an optische Umweltverschmutzung grenzende gelbe Absperrungen “gesichert”, die Fußgängern und Radfahrern das Leben unnötig schwer machen. Dass die zu den Ränder hin absackende Fahrbahn nicht “normal” sein kann sieht man auch mit bloßem Auge und auch das nicht erst seit diesem Jahr.

Da die Sanierung erst frühestens für 2011 geplant ist, müssen nun Sofortmaßnahmen getroffen werden, um die Sicherheit zu gewährleisten. Ab Dezember soll der Verkehr auf der Brücke nun stark eingeschränkt werden. Die etwa 38.000 Autofahrer täglich teilen sich dann ihre verbleibenden zwei Spuren mit den Straßenbahnen. Auch die Fußwege werden schmaler. Und das ist die eigentlich gute Nachricht – zumindest für Fußgänger und Radfahrer. Denn, weil dann nicht mehr genug Platz für Fußgänger und Radfahrer bleibt, werden auf den jetzigen äußeren Fahrspuren zwei Asphaltspuren als Radwege angelegt.

Die ganze Aktion kostet geschätzte 300.000 Euro. Vielleicht hätte man sich die sparen können, wenn man die Pflege von bestehenden Brücken dem Neubau übergeordnet hätte. Dass die Waldschlösschenbrücke trotzdem gebaut worden wäre, bezweifle ich nicht. Aber als sie auf deren Fertigstellung gesetzt hat, bevor die Sanierung der anderen Brücken in Angriff genommen wurde, hat sich die Stadt nun gründlich verkalkuliert. Die brückenbauenden Freunde des flüssigen Verkehrs von ADAC, CDU, FDP und Co. können sich nun also mehr als ein Jahr lang im Stau stehend sich auf die Schulter klopfen und über ihre Verkehrspolitik freuen und.

Für mich als radfahrenden quasi-Anwohner ergeben sich übrigens fast nur Vorteile – es dürfte ruhiger rund um die Brücke werden und ich kann endlich wieder in die Neustadt fahren, ohne im Zickzack den Fußgängern ausweichen zu müssen.

Frühestens ab 2011 steht dann die grundlegende Sanierung der Brücke inklusive Verbreiterung an. Während der Zeit wird es sogar eine Behelfsbrücke für Radfahrer und Fußgänger geben.

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  • 3 Kommentare

    1. Erstellt am 19. November 2009 um 09:50 | Permanent-Link

      Warum die Brücke nicht saniert wurde? Weil man damit Politik gemacht hat. Wir haben ja in Dresdner Blogs im Zusammenhang mit der Waldschlößchenbrücke schon den Begriff »Fördermitteldiktatur« diskutiert. Wenn es für A Geld gibt und für B nicht, dann kann das ein Anreiz dafür sein, gerade das Falsche zu tun.

    2. Erstellt am 19. November 2009 um 10:03 | Permanent-Link

      Nun, die 300.000 Euro werden jetzt auch nicht vom Land gefördert. Und ich denke nicht, dass man die Stadt so einfach aus der Verantwortung lassen sollte und alles mit den Förderungen des Landes begründet. Anreiz hin oder her, der Zustand der Brücke ist schon lange bekannt und überdeutlich (s. Absperrungen auf der Brücke und an den Zugängen). Man könnte sogar auf die Idee kommen der Stadt zu unterstellen, das bewusst in Kauf genommen zu haben und die Sanierung ebenso bewusst auf den Zeitraum nach Fertigstellung der WSB gelegt zu haben, damit niemand auf die Idee käme, dass man mit sanierter und breiterer Albertbrücke gar keine WSB mehr braucht.
      Wie gesagt – man könnte… ;)

    3. Stephan
      Erstellt am 19. November 2009 um 11:14 | Permanent-Link

      Man kann die kaputte Albertbrücke auch prima als politisches Druckmittel für eine Waldschlößchenbrücke benutzen.

      Getreu dem Motto: Guck mal, wir müssen bald sanieren.

      Wollt ihr Sanierung mit Stau ohne WSB oder
      wollt Sanierung ohne Stau mit WSB?

      Na du Bürger, nun wähl mal (die Brücke!).

      Und übers Geld redet keiner.

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