Arm durch Bio

Dieser Artikel wurde von mir auf einem früheren Blog veröffentlicht, soll aber nicht in Vergessenheit geraten. Deshalb der Repost an dieser Stelle.

Bin bei SpOn gerade über einen Artikel gestolpert, der mich dran erinnert hat, dass ich schon länger mal was zu dem Förderung Thema von ökologischer Landwirtschaft in Deutschland schreiben wollte. Über Sinn und Unsinn der europäischen Agrarsubventionen werde ich mich jetzt lieber nicht auslassen. Dafür fehlt mir einfach die Zeit entsprechende Infos anständig zu recherchieren.

Über 40 Mrd. Euro gibt die EU jährlich für Agrarsubventionen aus, was für das Jahr 2007 immerhin 47,9% des europäischen Gesamthaushaltes entspricht. In Deutschland kommen davon ca. 6 Mrd. Euro an. Es gibt also eine Menge Geld zu verteilen an die deutschen Landwirte.

Bio und Öko boomen. Bild entdeckt den Klimaschutz und die großen Discounter haben ihre Sortimente an Biofutter aufgestockt. Im Aldi kann ich schon seit über einem Jahr Bioobst- und Gemüse kaufen. Allerdings versuche ich das genauso lange schon zu vermeiden und kaufe mein Essen so oft es geht auf dem Wochenmarkt. Warum? Nun, für mich ist eine Möhre nicht automatisch Öko, wenn sie nach biologischen Kriterien angepflanzt wird. Per Definition mag das zwar stimmen, aber, wenn die Möhre dann noch durch die halbe Welt transportiert wird, bevor sie bei mir ankommt, geht etwas grundlegend schief. Das hat nichts mehr mit ökologisch zu tun!

Leider wirkt sich dieser Transport kaum auf die Preise aus. So lange der Verkehrssektor vom Emissionshandel ausgenommen ist und somit nicht für die von ihm verursachten Umweltschäden aufkommen muss, wird sich daran auch nichts ändern. In der Zeit stand irgendwann zu lesen, dass es für holländische Tulpenfabrikanten bisweilen billiger ist, ihre Zwiebeln nach Neuseeland zu verschiffen, sie dort austreiben zu lassen, um sie anschließen in Holland zu verkaufen, als dafür extra ein Gewächshaus zu betreiben. Das nur mal zur Verdeutlichung der Problematik.

Nun sollte man eigentlich annehmen, die deutschen Biobauern könnten vom anhaltenden Öko-Boom profitieren. Tun sie aber nicht! Grund hierfür ist die Subventionspolitik der Bundesländer. Sachsen etwa senkte seinen Fördergelder ab 2007 von ehemals 244 Euro/ha auf 137 Euro/ha – eine Reduktion von 45%! Es hätte dabei sogar noch schlimmer kommen können. 2006 wollten einige Landesminister die Förderung für Bio-Landwirtschaft ganz bereits einstellen. Der Umstieg auf biologische Landwirtschaft ist mit erhöhten Kosten verbunden. Bisher wurden Betriebe durch eine erhöhte Förderung dabei unterstützt. Ab diesem Jahr gibt es diese Förderung nur noch in fünf deutschen Bundesländern. Es hat fast den Anschein, als wolle man in Deutschland keine neuen Bio-Bauern. Die, die schon früher umgestellt haben oder seit jeher so arbeiten, können fast nicht mehr davon leben trotz Ökoboom. Wirtschaft paradox – ein Paradebeispiel.

Arbeitsmarktpolitisch schießen sich die Bundesländer allerdings selbst ins Knie. Der Bedarf an Arbeitskräften ist in der ökologischen Landwirtschaft deutlich höher, als in der konventionellen.

Die Discounter interessiert das alles herzlich wenig. Sie müssen sich dem Willen der deutschen Verbraucher beugen. Es ist immer noch so, dass beim Einkauf unserer Lebensmittel häufig gilt: hauptsache billig. So sind die Handelsketten quasi gezwungen ihre Billigpreise am Markt durchzudrücken – wir wollen es ja so. Wenn die deutschen Anbieter nicht zu den geforderten Preisen liefern können, deckt man sich eben im Ausland ein. Teilweise müssen die großen Handelsketten das sogar, da in Deutschland Biolebensmittel wie Kartoffeln oder Milch ausverkauft sind. Somit kann ich zwar Biomilch kaufen, aber ökologisch ist das sicher nicht!

So liegt es also an uns, den Verbrauchern. Bio ist nicht automatisch gut für die Umwelt! Überlegt euch, was ihr kauft. Greift nicht immer nach dem Billigsten und versucht bewusst regionale Produkte zu kaufen. Ein Ausflug auf einen Wochenmarkt ist weit mehr, als die Freiluftvariante des stupiden Einkaufs im Supermarkt. Er ist ein Erlebnis!

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    1. [...] sich endlich ernsthaft mit dem Thema beschäftigt und nicht nur zusieht, wie sie mit den Agrarsubventionen am besten konventionelle Landwirtschaft fördert. Nachhaltig Abonniere den RSS [...]

    2. [...] im Jahr 2007 die Förderungen für den ökologischen Landbau drastisch gesenkt (s. “Arm durch Bio”). Um genau zu sein wurden ab 2007 zum Beispiel die Förderungen für Acker- und [...]

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