Martin am 28. August 2008

Wenn man die Presse in den letzten Jahren verfolgt wird man den Eindruck nicht los, dass die Energieunternehmen in Deutschland zu den absolut benachteiligten Brachen zählen. Erst werden diese komischen erneuerbaren Energien per Gesetz gefördert, dann der Atomausstieg beschlossen. Anschließend kommt der Emissionshandel und jetzt sollen ab 2013 die Zertifikate für eben diesen auch noch versteigert und nicht wie bisher kostenlos verteilt werden. Dabei machte doch z.B. RWE 2008 nur noch 3,9 Milliarden Euro Gewinn.

Also lamentiert der Verband der energieintensiven Industrie in der Presse fleißig vor sich hin und betreibt Lobbyarbeit. Von Preisanstiegen bis zu 15% durch das neue Auktionssystem ist da die Rede. RWE Chef Großmann sagt sogar:

“Die geplante Vollauktionierung der Emissionsrechte kann die deutsche Energiewirtschaft die Wettbewerbsfähigkeit kosten. Wir reden hier über Mehrkosten in Milliardenhöhe.”

So dramatisch das auch alles klingt, so unwahr ist es auch. Sicher werden Mehrkosten auf die Unternehmen zukommen. Fakt ist aber, dass die vier großen deutschen Energieversorger schon seit Beginn des Emissionshandels im Jahr 2005 ihre Zertifikate kostenlos zugeteilt kriegen. Diese müssen aber trotzdem bilanziert werden und können so als “Kosten” ausgewiesen werden, auch wenn nie ein Cent dafür bezahlt wurde.

Genau diese “Kosten” schlagen die Energieunternehmen seit Jahren auf den Strompreis auf. Die Verbraucher zahlen also bereits jetzt für die Zertifikate, die die Unternehmen keine müde Mark kosten! Der aktuelle Aufschrei ist also nichts weiter als der Versuch im Vorfeld der Verhandlungen über die dritte Zuteilungsperiode des Emissionshandels ab 2013 die allgemeine Angst vor weiter steigenden Strompreisen zum eigenen Vorteil zu nutzen.

Bleibt zu hoffen, dass sich die EU nicht von ihren Versteigerungsplänen abbringen lässt und effektiv dagegen vorgeht, wenn die Energieversorger versuchen daraufhin die Preise zu erhöhen. Leider wird letzteres wohl eher ein Wunschtraum bleiben befürchte ich.

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