Martin am 20. März 2008

Der Begriff der “externen Kosten” hat mich durch einen großen Teil meines Studiums begleitet. Vor allem im volkswirtschaftlichen Bereich der Umweltökonomie spielen sie eine große Rolle. Allerdings sind sie meist nur schwer in konkrete Zahlen zu fassen. Für die Bereiche Energieerzeugung und Verkehr hat das Umweltbundesamt (UBA) vor einiger Zeit genau diese Zahlen vorgelegt.

Was sind eigentlich externe Kosten? Als BWLer müsste ich sagen, das sind Auswirkungen auf Dritte, für die diese keine Kompensation erhalten. Weil das niemand versteht, einige Beispiele:

  • Eine Firma verschmutzt einen See mit ihrem Abwasser. Dafür muss sie nichts zahlen. Die Fischerträge in dem See sinken und Bademöglichkeiten werden zerstört. Also ergeben sich negative externe Effekte z.B. für Fischer, Touristen und Tourismusbetriebe vor Ort.
  • Die Frauenkirche in Dresden wurde wieder aufgebaut. Dadurch kommen mehr Touristen in die Stadt. Diese übernachten in den örtlichen Hotels, welche von dem positiven externen Effekt profitieren, ohne direkt am Wiederaufbau beteiligt gewesen zu sein.

Externe Effekte können also sowohl positiv, als auch negativ sein. Im Bereich Umweltschutz handelt es sich allerdings fast immer um negative externe Effekte, wie z.B. Lärmbelastung der Anwohner einer Straße durch den Autoverkehr.

Wie bereits erwähnt, sind diese Effekte sehr schwer zu messen und in Kosten auszudrücken. Oder hat jemand spontan eine Idee, wie man die Kosten dieser Lärmbelastung in Zahlen fassen könnte? Das UBA hat sich genau diesen Problems angenommen.

Für die Stromerzeugung in Deutschland ergeben sich folgende externe Kosten:

  • Braunkohle: 8,7 Cent/kWh
  • Steinkohle: 6,8 Cent/kWh
  • Heizöl: 6,1 Cent/kWh
  • Erdgas: 3,9 Cent/kWh
  • Wasserkraft: 0,4 Cent/kWh
  • Photovoltaik: 0,8 Cent/kWh
  • Windkraft: 0,1 Cent/kWh

Die Stromerzeugung durch Braunkohle verursacht also mehr als doppelt so hohe Kosten, wie Erdgas und 87 mal höhere Kosten als Windkraft.

Wer kommt nun für diese Kosten auf? Einen Teil bezahlen die Energieversorger selbst z.B. über den Emissionshandel. Den verbleibenden Rest der Kosten muss die Gesellschaft tragen. Dieser Rest sieht in Zahlen dann so aus:

  • Braunkohle: 6,9 Cent/kWh
  • Steinkohle: 5,0 Cent/kWh
  • Gas: 1,9 Cent/kWh
  • Öl: 3,9 Cent/kWh

Die Braunkohle ist auch hier negativer Spitzenreiter. Sie ist nicht nur besonders klimaschädlich und verursacht die höchsten Kosten bei der Stromerzeugung, sondern diese Kosten werden nur minimal durch die Stromerzeuger selbst bezahlt. Grafisch zusammengefasst sieht das dann so aus:

externe_kosten

Die Förderung der erneuerbaren Energien im Jahr 2006 betrug in Deutschland 3,2 Mrd. Euro. Dem gegenüber stehen vermiedene Umweltkosten von 3,4 Mrd. Euro. Aus dieser Sicht ist es mehr als fraglich, warum in Deutschland immer noch Braunkohlekraftwerke gebaut werden (dürfen).

Für den PKW- und LKW-Verkehr ergeben sich diese externen ökologischen Kosten:

  • PKW: 2,9 Cent/km
  • LKW: 17,4 Cent/km

Diese Kosten werden bisher nur sehr unzureichend von den Verursachern bezahlt. Zwar gibt es z.B. die Ökosteuer auf Benzin, aber deren Einnahmen werden erstens nicht für Umweltschutzprojekte verwendet und decken zweitens die verursachten Kosten nicht einmal zu 50%. Die LKW-Maut müsste auf alle Straßen ausgedehnt und mindestens verdoppelt werden, um die verursachten Umweltkosten zu decken.

Gerade für PKW-Fahrten sollte meiner Meinung nach ein System ähnlich der LKW-Maut eingeführt werden, bei dem die Fahrer möglichst schnelle Rückkopplung über die Kosten erhalten. Müsste man alle 100 km drei Euro in ein kleines Sparschwein auf Amaturenbrett zu werfen, würden sicherlich viele Leute ihr Auto sehr viel weniger und sehr viel sinnvoller einsetzen.

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