Gestern flatterte mir ein prall gefüllter Umschlag meines Stromanbieters Lichtblick ins Haus. Die darin enthaltenen Webezettelchen sollen mich davon überzeugen, dass Lichtlbick jetzt ganz tolles Ökogas anbietet. Kingt ja auch auf den ersten Blick alles ganz toll. Statt reinem Erdgas wird jetzt Gas aus Gülle und Maissilage gewonnen, Abfällen der Landwirtschaft also. Das so erzeugte Gas soll dann bei seiner Verbrennung nur so viel CO2 freisetzen, wie die Pflanzen bei ihrem Wachstum aufgenommen haben - ein Nullsummenspiel. Also alles Bio oder was? Mitnichten, wenn man etwas genauer hinschaut:
Der momentane Biogasanteil im Gasgemisch von Lichtblick liegt bei 5%. Wenn man das als ökologisch bezeichnet, kann sich auch jeder Dieselbesitzer in Deutschland ökologisch nennen, werden doch dem Treibstoff 5% Biodiesel beigemischt.
Hauptsächlich stammt das Gas aus der Biogasanlage Jüterbog in Brandenburg. Diese wird von der EPURON GmbH betrieben, einer Tochter der Conergy AG. In der Selbstbeschreibung von EPURON kann man folgendes lesen:
Mit langjähriger Erfahrung in Finanzierung und Projektierung sowie einer dynamischen Unternehmenskultur schaffen wir attraktive Renditen für unsere Projektpartner und Investoren. Gleichzeitig setzen wir gemeinsam mit ihnen ökologisch verantwortliche Konzepte in die Tat um.
Es geht also um Renditen und Investitionsobjekte, die eher nebenbei einen grünen Anstrich erhalten, weil sich das eben momentan lohnt. Dass dabei die Investition und Rendite im Vordergrund stehen zeigt sich schon daran, dass weder die Tochterfirma noch die Muttergesellschaft einen Umwelt- oder Nachhaltigkeitsbereicht veröffentichen.
Auch die Wahl des Standorts Brandenburg wird in der von Seiten der EPURON GmbH kommentiert:
Große Biogasanlagen wie hier in Jüterbog harmonieren mit den landwirtschaftlichen Strukturen im Osten Deutschlands. Durch große Ackerflächen und einem hohen Anteil Viehzucht ist die langfristige Versorgung der Anlagen mit Inputstoffen gesichert – und somit auch die Renditen für unsere Investoren.
Nächstes Problem sind die eingesetzte Gülle und der Mais. Die werden vom örtlichen Argragroßbetrieb und einer konventionellen Schweinemastanlage bezogen. Zwar ist es positiv, dass die Gülle nicht einfach auf die Felder verteilt wird und so Grundwasser und Boden gefährdet, allerdings wird die Schweinemastanlage mit über 10.000 Tieren gefördert. Diese hat mit artgerechter Tierhaltung einfach mal gar nichts zu tun.
Die eingesetzte Menge von Mais entspricht etwa einer Anbaufläche von 2000 Hektar in Monokultur, ist alles andere als ökologisch verträglich und gefährdet darüber hinaus einheimisch Tier- und Pflanzenarten.
Auch das Thema CO2-Neutralität ist nicht ganz ohne Tücken. Die ganze Nullsummenrechnung blendet einen Großteil des Lebensweges der Pflanzen aus. Dieser wird zu einem guten Teil von Maschinen bestimmt. Bezieht man deren Emissionen in die Rechnung mit ein, ist auch eine Biogasanlage nicht mehr klimaneutral.
Also nix mit ursprünglicher bäuerlicher Landwirtschaft, glücklichen Kühen auf grünen Wiesen und zufriedenen Kunden, wie es die Werbebroschüre von Lichtblick vermitteln will. Hier geht es ganz profan ums Geschäft mit einer willigen Ökokundschaft.
Ich für meinen Teil beziehe selbst gar kein Gas und bin froh darüber. Was meinen Strom angeht, werde ich ich langsam aber sicher mal nach Alternativen zu Lichtblick umschauen.
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