Martin am 6. März 2008

Braunkohlekraftwerk

Foto: Passenger Faber via Flickr

Die Speicherung von CO2 wird vor allem von der Energieindustrie als großes Allheilmittel im Kampf gegen den Klimawandel angepriesen. Weltweit werden Forschungsgelder verwendet , um die Technik wirtschaftlich nutzbar zu machen. Allerdings ist man genau davon noch weit entfernt.

Nicht nur in Deutschland verlassen sich die großen Stromkonzerne immer noch gern auf Kohle zur Stromerzeugung. Die relativ einfache Zugänglichkeit in Verbindung mit geringen Kosten machen die Kohle vor allem wirtschaftlich interessant. Zwei Probleme bringt die Stromerzeugung durch Kohle allerdings mit sich: einen recht geringen Wirkungsgrad der Stromerzeugung (zwischen 35% und 43%) und einen hohen CO2-Ausstoß. Der erste Punkt wird gern einfach verschwiegen, der zweite gern mit technischen Entwicklungen heruntergespielt. So wird im Zusammenhang mit Kohlekraftwerken gern das Auffangen des ausgestoßenen Kohlendioxids und dessen anschließende unterirdische Lagerung propagiert. Damit geben die Energieunternehmen ihren veralteten Kraftwerken einen grünen Anstrich, der alles andere als gerechtfertigt ist.

Erstes Problem ist die Abscheidung des Kohlendioxids aus der Abluft der Kraftwerke. Hierfür gibt es verschiedene Ansätze, die aber alle mit nicht unerheblichen Kosten verbunden sind. Verschiedene Schätzungen[1] gehen von Kosten zwischen 8 und 68 Euro pro Tonne CO2 aus (Mittelwert: 35 Euro pro Tonne CO2).

Problem zwei: Der gesamte Prozess der Abscheidung und Lagerung benötigt selbst wieder Energie. Damit verringert sich der ohnehin schon niedrige Wirkungsgrad von Kohlekraftwerken nocheinmal erheblich. Für ein Braunkohlekraftwerk kann man von einer Reduktion um 9 - 15%[2] ausgehen. So bliebe bestenfalls ein rechnerischer Wirkungsgrad von 34% übrig. Im 21. Jahrhundert sollte man wirklich mehr erwarten können.

Problem drei: Die Einlagerung ist nicht billig. Geplant ist das CO2 in unterirdischen Lagerstätten, wie z.B. ehemalige Erdgasvorkommen zu pumpen. Die wenigsten Kraftwerke stehen auf solchen potentiellen Depots. Also muss das Kohlendioxid teuer transportiert werden. Die Kostenschätzungen hierfür sind stark entferungsabhängig und schwanken laut UBA zwischen 1 und 40 Euro pro Tonne CO2[3].

Problem vier: Die Sicherheit muss gewährleistet sein. Das der Austritt von CO2 gefährlich sein kann, zeigt z.B. das Unglück von Nyos. Dort starben im Jahr 1986 etwa 1700 Menschen, nachdem aus dem örtlichen See große Mengen CO2 ausgetreten waren. Bis heute ist die Ursache nicht endgültig geklärt. Wer kann garantieren, dass die unterirdischen Lager für CO2 nicht Leck schlagen können, auch nicht durch Erdbeben, Vulkanausbrüche, tektonische Verschiebungen? Und das für die nächsten 1.000 bis 10.000 Jahre!

Problem fünf: Der technische Fortschritt. Das Umweltbundesamt geht davon aus, dass die Technik zur Abscheidung und Einlagerung frühestens 2020 verfügbar sein wird[4]. Wo werden andere Techniken, wie die Solar- oder Windkraft dann stehen?

Alles in allem kann die Abscheidung und unterirdische Einlagerung von CO2 entgegen allen Beteuerungen der Kraftwerksbetreiber bestenfalls als zeitlich stark begrenzte, begleitende Maßnahme zur Reduzierung des Treibhauseffekts gesehen werden und auch das erst ab frühestens 2020. Wir werden also nicht umhin kommen, unsere Energiepolitik zu überdenken und vor allem regenerative Energiequellen zu fördern.

Quellen / Anmerkungen:
  1. Blohm, M. et al (2006): Technische Abscheidung und Speicherung von CO2 – nur eine Übergangslösung. S. 42, ca. 1,5 MB []
  2. Ploetz, Ch. (2003): Sequestrierung von CO2: Technologien, Potenziale, Kosten und Umweltauswirkungen. S. 4, ca. 1 MB []
  3. Blohm, M. et al (2006): Technische Abscheidung und Speicherung von CO2 – nur eine Übergangslösung . S. 43, ca. 1,5 MB []
  4. Blohm, M. et al (2006): Technische Abscheidung und Speicherung von CO2 – nur eine Übergangslösung . S. 31, ca. 1,5 MB []

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