Martin am 2. September 2008

Die Meldung ging schon letzte Woche durch die Medien: Die Bahn erhöht im Dezember mal wieder die Preise. Durchschnittlich 3,9% klingen zunächst mal überschaubar. Rechnet man alllerdings mal die beiden (!) Preiserhöhungen des letzten Jahres mit ein, stiegen die Preise seit Anfang 2007 um rund 10%!

Dazu kommt nun auch noch der “Bedienzuschlag” von 2,50 Euro, wenn man sich erdreistet seine Fahrkarte lieber am Schalter zu kaufen und nicht im Internet oder an den ständig kaputten Automaten.

Bisher hat mich diese ganze Thematik eher wenig interessiert, weil ich selten Bahn fahre. Vor etwa einem Monat bin ich aber mal wieder ganz klassisch per Wochenendticket quer durch die Republik nach Karlsruhe und eine Woche später wieder zurück gefahren.

Zunächst mal gibt es für das Wochenendticket den Bedienzuschlag schon jetzt. Wenn man die Karte nicht am Automaten kauft, zahlt man also drauf.

Für die Strecke Dresden - Karlsruhe muss man nur in Nürnberg und Stuttgart umsteigen und fährt ungefähr 9,5 Stunden. Den ersten Teil der Strecke nach Nürnberg fährt einer dieser ganz neumodischen Züge mit Neigetechnik und allem Kram. Die hat in Verbindung mit der nicht vorhandenen Möglichkeit ein Fenster zu öffenen zur Folge, dass mir (und vielen anderen Mitfahrern) kotzübel wurde. Dazu kamen Probleme mit der Klimaanlage, die die zweite Klasse auf gemütliche 24° heizte, während die erste Klasse sich den Ar*** abfrohr. Die Sitze sind eng und unbequem. Ab Nürnberg wurde es wesentlich entspannter in einem gemütlichen “alten” Zug mit Fenstern zum Runterschieben und Doppelsitzen, auf denen man sich auch mal mehr oder weniger gut hinlegen konnte.

Die Bahn begründet seit Jahren ihre regelmäßigen Preiserhöhungen mit gestiegenen Energie- und Lohnkosten. Was ist aber mit den ganzen hypermodernen Zügen? Die kosten sicher Unsummen. Hat sich überhaupt schon mal jemand gefragt, ob die Kunden das wollen?

In China sind wir in der dritten Klasse, der sogenannten Holzklasse, mit dem Zug gefahren, so wie die Masse der Chinesen auch. Erstens war das die günstigste Art sich fortzubewegen und zweitens kam man so mit den Einheimischen gut in Kontakt. Zugfahren ist für mich in erster Linie Fortbewegung. Die soll möglichst billig und vertretbar bequem sein. Ich denke, vielen potenziellen Bahnkunden geht es ähnlich.

Mit ihrer Premiumstrategie verprellt sich die Bahn genau diese Kunden. Und mit dem Bedienzuschlag werden jetzt auch noch die ganzen Rentner und alle, die mit den Automaten oder dem Internet nix anfangen können verprellt. Wer, außer Geschäftsreisenden, bucht heute bitte noch die erste Klasse, wenn die zweite schon besser ausgestattet ist, als es die erste vor 10 Jahren war.

Heute geht es im Vorfeld des geplanten Börsengangs der Bahn nur noch um das Aufhübschen der Zahlen. Da sich die anderen Verkehrsmittel - allen voran das Auto - noch schneller verteuern, geht die Bahn mit ihrer Preiserhöhung wohl nicht mal ein großes Risiko mit ihren Preiserhöhungen ein.

Noch ist die Bahn ein Staatskonzern. Vielleicht sollte der Staat mal darüber nachdenken eine Art öffentlich-rechtliche Transportgrundversorgung zu gewährleisten. Also Bahntickets zu günstigen Preisen mit angemessenem Komfort. So könnten Straßen und Umwelt entlastet werden und auch die Billigflieger mal wieder Konkurrenz von der Schiene bekommen.

Ein Kommentar zu “Bahnpreiserhöhung um 10%”

  1. Wer mit der Bahn fahren will, um Nerven und Umwelt zu schonen dem wird es heutzutage schon nicht leicht gemacht.

    Letzter Eigenversuch :
    3 Personen nach Bamberg, Sparpreise gibt es nicht in der 2. Klasse. Der Normalpreis liegt somit bei Faktor 2,8 zu Mietwagen und geschätzten Spritkosten. Da auch die teuren Taxikosten in Bamberg zum Schulungszentrum umgangen werden können, war der Wagen die einzig logische Alternative.

    Eigentlich traurig, aber kein Einzelfall

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