Keine Privatsphäre in der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek

Seit ich meinen AA1 habe, ist der eigentlich ständig dabei. Das Teil wiegt grad mal ein Kilo und stört weder im Rucksack noch in der Fahrradtasche. So war ich auch schon längere Zeit nicht mehr auf die Rechner angewiesen, die in der SLUB rumstehen. Gestern war es dann doch mal wieder soweit. Die Prüfung war eher als gedacht überstanden und bis zum verabredeten Mittagessen noch ne reichliche Stunde Zeit. Da der Frühling doch noch ein bisschen auf sich warten lässt, dachte ich mir, kann ich die Zeit auch nutzen, um noch ein paar liegen gebliebene Emails zu schreiben.

Das Vorhaben scheiterte aber sehr schnell an einer Netzsperre für verschlüsselte Verbindungen auf allen öffentlichen Rechnern der SLUB. Für mich als Nutzer von Googlemail ist das einigermaßen blöd, weil es keine mir bekannte Möglichkeit gibt, die Loginseite ohne SSL aufzurufen. Abgesehen davon will ich das auch gar nicht. Also hab ich die Zeit damit zugebracht, die Infos abzuschreiben, die mir die lustige Fehlermeldung so ausgab. Diese lautet im Volltext:

Zu Ihrer Information

Dieser PC bietet einen beschränkten Internetzugang zu Recherchezwecken in webbasierten Informationsangeboten


Was ist passiert?

Es wurde versucht, zur Webseite (www.google.com:443) eine verschlüsselte Verbindung aufzubauen. Diese Art von Zugang zu einem webbasierten Informationsangebot ist auf unseren öffentlichen Computerarbeitsplätzen nicht vorgesehen.

Warum existiert diese Beschränkung?

Vereinfacht gesagt wird mit Hilfe von verschlüsselter Kommunikation eine gewisse Vertraulichkeit persönlicher Informationen erreicht. Sie dient primär Zielen wie Datenschutz oder Wahrung der Privatsphäre. Diese Ziele widersprechen der Nutzung in einem öffentlichen Raum, wie beispielsweise unserer Bibliothek.

Ich muss aber unbedingt auf meine privaten Emails zugreifen. Was soll ich tun?

Die Anbieter von webbasierten Email-Zugängen bieten neben dem verschlüsselten Zugriff in aller Regel auch einen klassischen Zugriff an. Bitte wählen Sie bei uns den unverschlüsselten Zugriff aus. Dieser wird zum Beispiel mit “ohne SSL” oder mit “ohne Verschlüsselung” gekennzeichnet. Im Zweifelsfall fragen Sie bitte den Anbieter Ihres Email-Zugangs.

Wo kann ich unbeschränkt im Internet surfen?

Versuchen Sie es bei den einschlägigen Internet-Cafés. Adressen in Dresden finden Sie zum Beispiel bei Google.

Tolle Wurst! Nur weil ich also in einer öffentlichen Bibliothek meine Mails checken will, muss ich akzeptieren, dass meine Logindaten und wenn möglich auch noch meine Emails mitgelesen werden, weil alles andere “der Nutzung in einem öffentlichen Raum” widersprechen würde, Datenschutz und Wahrung der Privatsphäre sowieso? Ich glaub es geht los… Wenn dem so ist, will ich gar nicht wissen, was die SLUB mit meinen gespeicherten persönlichen Daten so macht. Wahrscheinlich wird mit solchen Daten der halbe Bücherbestand des Ladens finanziert.

Das nächstgelegene Internetcafe, dass die verlinkte Googlesuche ausspuckt befindet sich übrigens am Hauptbahnhof…vielen Dank auch!

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  • 3 Kommentare

    1. Marcus
      Erstellt am 6. Februar 2009 um 10:17 | Permanent-Link

      Das ist aber nicht deren Ernst, oder? Datenschutz und Privatsphäre wird doch hier ach so groß geschrieben, wie es immer heißt und dann kommt so was? Kann es ja echt nicht sein, wenn ich zufällig mal auf meine Bank will, dann kann ich das dort auch nicht tun oder mich bei einem Online-Shop einloggen? Da soll jeder meine Daten sehen können und munter auf meinen Namen bestellen oder Geld ausgeben? Was ist das bitteschön für eine Auffassung von eurer Bibliothek?! Ich würde den Boykott starten, dort gar nichts mehr machen.

    2. Uschi
      Erstellt am 8. Februar 2009 um 15:19 | Permanent-Link

      Wir leben nun mal in einem Überwachungsstaat. Und das fängt wie man sieht bei der Bibliothek auch schon an. Ich hätte zwar gedacht, dass wir noch nicht so weit sind, aber wie ich hier lese, haben wir die Grenzen doch schon wirklich sehr weit überschritten. Eigentlich ist es schon eine Frechheit, dass man so etwas macht. Es ist doch eigentlich nichts dabei, wenn man seine privaten Emails in der Uni checkt. Ich bin ja mal gespannt, was da noch so alles auf uns zukommen wird.

    3. Erstellt am 26. Februar 2009 um 12:19 | Permanent-Link

      Mit der Aussage, daß das Forschungsnetz ausschließlich zu Forschungszwecken gedacht ist und daher unverschlüsselt abläuft, kann man ja durchaus noch diskutieren (sie stellen etwas kostenlos für einen fest definierten Zweck zur Verfügung).

      Aber dann sollten sie konsequenterweise auch den Abruf von privaten E-Mails bzw. Angelegenheiten komplett verbieten. Allein diese Empfehlung ist unverantwortlich.

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