Nach der Wahl

Meine Geschichtslehrerin in der Schule stammte aus NRW und pflegte zu sagen, die Sachsen hätten sich in jedem Krieg in der Vergangenheit immer für die falsche Seite entschieden. Nun befinden wir uns zur Zeit – von Afghanistan mal abgesehen – zum Glück nicht im Krieg, aber wieder einmal haben die Sachsen gezeigt, dass sie sich gern anders entscheiden, als andere.

Während im Saarland und in Thüringen die CDU so massiv abgestraft wurde, dass in beiden Ländern momentan Rot-Rot-Grün-Koalitionen am wahrscheinlichsten scheinen, kann sich die CDU in Sachsen gemütlich auf ihren rund 40% ausruhen und in den nächsten Jahren wohl zusammen mit einer kräftig dazu gewinnenden FDP schalten und walten, wie es die Wirtschaft oder alte Seilschaften verlangen. So werden die Jahre bis zur nächsten Landtagswahl diesmal wohl seeeeeehr lang werden.

Auch in den anderen Bundesländern konnte die FDP stark zulegen. Gerade in einer Zeit, wo der Kapitalismus zeigt, dass er sehr schnell an seine Grenzen stößt, ist es für mich sehr erstaunlich, dass die Wähler trotzdem (oder gerade deshalb?) den stärksten Befürwortern der Marktliberalisierung und des ungehemmten Geldkapitalismus einen solchen Zuwachs bescheren. Ich hoffe, dass sich in nächster Zeit irgend ein Demoskop mal mit dieser Frage befasst.

Richtig peinlich ist es aber wiedermal, dass es nicht gelungen ist, die NPD aus dem Landtag rauszuwählen. Offensichtlich hat es die CDU also nicht geschafft, den Rechten alle Wähler abzujagen. Auch die Stimmverluste, die die Brauen einstecken mussten können nicht kaschieren, dass Sachsen damit mal wieder Negativschlagzeilen in aller Welt machen wird. Hier ist endlich mal ein sinnvolles gemeinsames Vorgehen aller demokratischen Parteien gerade in den ländlichen Regionen nötig, denn 19,4% Stimmen für die Rechten in bestimmten Gegenden sind einfach nicht hinnehmbar.

Schließlich stellt sich Sachsen auch bei der Wahlbeteiligung gegen jeden Trend. Die ist mit 52,2% auf einen neuen Tiefstand gefallen. Knapp der Hälfte der Leute ist es also egal, wer das Land regiert und wie. Das zeigt, dass etwas ganz grundlegend schief läuft mit der Politik im Freistaat.

Ein Kommentar

  1. Erstellt am 31. August 2009 um 20:31 | Permanent-Link

    Der Erfolg der FDP kommt daher, daß man ihr Wirtschaftskompetenz zuschreibt. Ins Hintertreffen gerät dabei, daß “Die Krise” der freien (besser wilden) Wirtschaft zu verdanken ist, wie sie von der FDP verlangt wird.
    Aber den Liberalen traut man (nach der CDU) am ehesten zu, das Problem in den Griff zu bekommen, so traurig das auch ist.

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