Voll vorbei

Wenn ich solche Artikel lese, wird mir schlecht. Mittlerweile geht es in der Diskussion nicht mehr darum, ob es rechtens ist, dass sich die Ulla Schmidt von ihrem Fahrer durch Spanien gondeln lässt. Es geht auch nicht darum, ob das Verschwendung von Steuergeldern ist. Nein, Frau Schmidt sieht sich völlig im Recht und möchte daher die Dienstwagenrichtlinie so ändern lassen, dass das in Zukunft auch allen klar wird, dass sie nur tut, was ihr zusteht.

Das eigentliche Problem der Debatte übersieht die arme Frau jedoch – ihr fehlendes Fingerspitzengefühl. Bei den Geldern, die unser Staat jährlich (auch für Politiker) verschwendet fällt so ein kleiner Ausflug in den Süden überhaupt nicht ins Gewicht. Viel problematischer als die reinen Kosten ist doch die Außenwirkung eines solchen Ausflugs. Für Otto Normalkurzarbeiter stellt sich das doch so dar: diese überbezahlte Politikerin lässt sich auf Staats- also Steuerzahlerkosten durch Spanien kutschen, während sich die Masse des Wahlvolks in der so oft beschworenen Krise den Urlaub nur noch aufgrund von absurden Billigangeboten leisten kann, wenn überhaupt.

Wenn sich Frau Schmidt jetzt also hinstellt und sagt ich hab doch nur genutzt, was mir zusteht, zeigt sich einmal mehr wie weit sich unsere politischen Eliten vom gemeinen Volk verabschiedet haben. Vorsichtige Zurückhaltung in der Wahl ihrer Transportmittel oder – nach Bekanntwerden des Vorfalls – wenigstens eine Entschuldigung wären angebracht. Aber nein. Hier wird auf einem Level argumentiert, wie wenn ein Achtjähriger auf eine Baustelle geht, auf den Kran klettert, drei umliegende Häuser demoliert und anschließend zu seiner Verteidigung sagt, das Tor stand offen und ein Verbotsschild war auch nicht da.

Bei einem Achtjährigen mag man für solche Erklärungen noch Verständnis aufbringen, bei einer Spitzenpolitikerin zeugen sie von massivem Verlust der Bodenhaftung. Dass diese Frau obendrein noch einer Partei angehört, die sich für Solidarität und soziale Gerechtigkeit einzusetzen vorgibt…

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  • Ein Kommentar

    1. Erstellt am 27. August 2009 um 15:03 | Permanent-Link

      Du hast absolut recht. Irgendwann hatte doch jeder eine Entschuldigung erwartet, aber glaube auf die kann man als Bürger noch lange warten.
      Finde es zwar immer gefährlich unsere Politiker als “dumm” darzustellen (nicht das du das hier machen würdest) und dann zu behaupten, die hätten ja von nichts eine Ahnung und wüssten nicht was sie tun, aber Frau Schmidts Verhalten grenzt zumindest schon sehr stark an Dummheit.

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