Rad ab! Folge 2 – Tauwetter und andere Katastrophen

Gewisse Dinge gehören in der Natur einfach zusammen: nach dem Tag kommt die Nacht, nach dem Frühling der Sommer. Aktuell heißt das ganze in etwa: gefallener Schnee taut irgendwann wieder. Genau das ist dann letzte Woche auch passiert. Die Temperaturen näherten sich ganz langsam dem Nullpunkt und der gefühlte halbe Meter Schnee in der Stadt fing eben so langsam an wegzutauen.

Nun ist dieses unvermeidliche Naturereignis für Fahrradfahrer weniger segensreich, als man das im ersten Moment vermuten mag, denn es gibt da einige kleine bis mittelgroße Probleme:

Ich hatte ja schon beim letzten mal erwähnt, dass Schnee an sich kein wirkliches Problem für mich und mein Fahrrad darstellt. So lange es kalt und der Schnee festgefahren ist, kann man darauf einigermaßen kontrolliert vorwärts kommen. Plötzliche Notbremsungen und schnelle Richtungswechsel sollte man dabei natürlich vermeiden. Das Tauwetter der letzten Woche hat nun genau diesen Zustand zunichte gemacht. Die vormals feste und kalkulierbare Schneedecke wurde zu weicher Matsche. Die zählt zu den größten natürlichen Feinden des Radfahrers. Lenken, Bremsen oder Beschleunigen – egal, was man versucht, es ist quasi unmöglich. Somit bleiben wieder einmal nur die Straßen als Ausweichstrecke. Das führt dann direkt zu Problem zwei:

Nein, in dem Fall sind es nicht die Autofahrer, sondern der Dreck. Ja genau die braune schmierige Masse aus Staub, Dreck und Abgasen, die sich in mehreren Wochen im Schnee angesammelt hat. Die verteilt sich jetzt schön auf die langsam freischmelzenden Straßenränder und Radwege. Zusammen mit dem Schmelzwasser ergibt das eine Dreckbrühe, die sich in erstaunlich umfassender Art und Weise über mein komplettes Fahrrad verteilt hat und nun jeden Tag dafür sorgt, dass ich abends meine Hosenbeine abspülen muss, wenn ich mal wieder das Beinkondom die Regenhose vergessen habe.

Neben dem Dreck hat sich aber noch einiges mehr im Schnee versteckt. So tauen momentan neben mumifizierten Böllern vor allem auch jede Menge Glasscherben von Silvester auf, die der Winterdienst dankenswerter weise von den Straßen direkt auf die Radwege geschoben hat.

Viertes Problem ist die eigene Dummheit. Zugegeben, die hat wenige mit dem Tauwetter an sich zu tun und ist eigentlich eher ein Ganzjahresproblem. Aber gerade letzte Woche haben sich Wetter und Dummheit verbündet und mir fast meinen ersten Sturz des Jahres beschert: Samstag Abend. Es schüttet wie aus Kannen. Das sorgt für einigermaßen vom Schnee befreite Straßen und Radwege. Also fällt man schnell in alte Muster zurück und fährt die gewohnten Strecken. In meinem Fall war das der Elberadweg parallel zur Leipziger Straße. Auf dem war ich gut eine Woche vorher noch mit Skiern unterwegs gewesen. Eigentlich hätte mir also klar sein müssen, dass der Regen dort nicht viel gutes anrichten würde. Denn Regen auf Schnee bei Temperaturen um Null Grad ergeben EIS! Das fiel mir dann auch spontan ein, als ich beim Einbiegen auf den Radweg versuchte zu bremsen. Den restlichen reichlichen Kilometer dann sturzfrei gefahren zu sein, sollte mich eigentlich für jede Fahren-übers-Hochseil-Nummer qualifizieren. Auf dem Rückweg gab’s dann noch Blitzeis – zum Glück nicht auf den Hauptstraßen. *puh*

Mittlerweile ist der Schnee fast völlig weggetaut und der alltägliche Wahnsinn kehrt wieder ein – Autofahrer hupen, Fußgänger stören, wo sie auftauchen und der Wind weht immer von vorn. Perfekte Bedingungen also. :D

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